Wir über uns

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) gehört zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland. Ihre Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit, Toleranz und Solidarität verkörpern die Geschichte und das sozialethische Fundament der AWO.

Vereinsrechtlich organisiert, demokratisch und föderaktiv aufgebaut, geht die Willensbildung in der Arbeiterwohlfahrt von den Mitgliedern aus. Der Organisationsaufbau umfasst Ortsvereine, Kreisverbände, Bezirks-/Landesverbände und den Bundesverband. 

Der Ortsverein Schierstein gehört mit seinen derzeit 145 Mitgliedern dem AWO-Kreisverband Wiesbaden an und leistet mit ausschließlich ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern soziale Arbeit im Stadtteil Wiesbaden-Schierstein. Wir bieten nicht nur unseren Mitgliedern, sondern allen Einwohnern unserer Stadt ein vielfältiges Jahresprogramm für Jung und Alt!

Doch schauen Sie selbst! Informieren Sie sich und kommen Sie zu uns! Sie sind jederzeit herzlich willkommen! Über neue Freunde und Mitglieder freuen wir uns! Und warten Sie bitte nicht bis Sie "ins Alter gekommen" sind. Die AWO braucht dringend Mitglieder aus der jüngeren Generation!

Die schnellste Verbindung zum Ortsverein: 0611-21788

Über die umfangreiche Arbeit unseres Kreisverbandes können Sie sich auf www.awo-wiesbaden.de informieren!

 

Seit Bestehen der Arbeiterwohlfahrt war ein Herzsymbol das Erkennungszeichen des Verbandes. Das erste rote Herz entstand zu Beginn der 20er Jahre (ca. 1921). 1989 beschloss die Bundeskonferenz der Arbeiterwohlfahrt in Bonn das Erkennungszeichen zu wechseln. Es war insbesondere für jüngere Generationen kaum lesbar und hatte, so ergaben Untersuchungen, keinen Wiedererkennungswert. "Eingebürgert" hatte sich außerdem bei der Mehrzahl der Bundesbürger die Abkürzung "AWO". Auf das Herzsymbol wollte der Verband nicht verzichten, deshalb entstand das seit dem 1.1.1993 geltende Logo/Signet. Das aktuelle Logo der AWO (ab 2008) ist unter der Nummer 30 2008 068 877 beim Deutschen Patent- und Markenamt für den AWO Bundesverband e.V. eingetragen. (Quelle: AWO-Bundesverband)

 

 


Ein geschichtlicher Rückblick

Wie die AWO-Arbeit in Schierstein begann


Februar 1946. Lange ist es her. Doch die Erinnerung an diese Zeit ist in mir hellwach. So wach, daß ich noch das Knistern der Holzscheite im Ohr habe, die gerade im riesengroßen Küchenofen verbrennt, um den sich die alten Frauen unseres Wohnviertels versammelt haben. Fast jeden Abend finden sie sich in diesen kalten Wintertagen in der einfachen, aber behaglichen Küche meiner Oma ein. Die von des Tages Arbeit müden Hände nicht in den Schoß gelegt, sondern an der Strick- und Nähnadel aktiv, hocken sie in nachdenklich froher Runde zusammen und genießen die wohlige Wärme, die nicht nur vom Ofen ausgeht, sondern von der Herzlichkeit, mit der man sich begegnet. Sie reden über dieses und jenes, wissen Neues aus Familie und Ort zu erzählen, lachen zusammen; reichen sich gegenseitig trockene Taschentücher, wenn allzu Trauriges zur Sprache kommt.
Und ich, am Nikolaustag 1941 geboren, bin dabei; bin fester Bestandteil des Altentreffs! Die Alten haben mich in ihr und ich habe die Alten in mein Herz geschlossen.

Ich sitze dabei. und höre zu. Freue mich, wenn die Alten fröhlich gestimmt sind und von schönen Begebenheiten aus besseren Tagen erzählen. Bin traurig, wenn Oma wieder einmal das auf dem Küchenschrank seinen Ehrenplatz habende Foto meines Onkels Hans herunter holt und laut den Brief vorliest, den er vier Wochen vor seinem Tod im fernen Afrika an seinem Bruder Karl schrieb: „ Wie Du sicher schon von Mutter erfahren hast, lieber Bruder Karl, bin ich schon über fünf Wochen im Lazarett. Ich hatte die Gelbsucht. Mutter hatte ich allerdings nichts von der Krankheit geschrieben. Ich schrieb ihr nur, dass ich mit dem Magen Probleme hätte. Du weißt ja, lieber Karl, Mutter macht sich gleich Gedanken! Mutter braucht es jetzt auch nicht mehr zu erfahren, es geht mir jetzt schon wieder ganz gut und ich gehe diese Woche wieder vor zur Truppe!“

„Diesen Brief“, so stellt Oma immer und immer wieder fest, „diesen Brief hat er am 4. November 1941 geschrieben und vier Wochen später, am 3. Dezember, ist er im Feldlazarett an seinen schweren Verwundungen gestorben! Mein Hans, er war doch erst Zweiundzwanzig! Warum nur ? Für was?“
Die Nachbarin versucht mit ihrem eigenen Leid zu trösten. Es gelingt!. Oma verlässt für einen kurzen Moment die Küche und kommt mit einem leicht verbeulten Aluminiumtopf zurück. „Wollt ihr die Milch kalt oder warm?“ Wir haben Februar, draußen herrschen Minustemperaturen! Ihre Frage damit beantwortet!

Die auf der nicht mehr ganz so heißen Ofenplatte erwärmte Milch tut gut! „Was wird mein Karl machen?“ will Oma wissen, “ob er etwas zu essen hat?“ Omas Frage bleibt unbeantwortet. Ihr Sohn Karl ist in russischer Gefangenschaft!

Die abendliche Zusammenkunft wird von einem leichten Klopfen an der Fensterscheibe unterbrochen. Es ist mein Vater, an den ich mich erst noch gewöhnen muss! Vor zwei Wochen stand er bei uns zu Hause vor der Tür! Wohlbehalten aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurück! Die Freude meiner Mutter, von Oma und Opa unbeschreiblich groß! Mutter hatte ihren Mann, Oma und Opa einen ihrer Söhne wohlbehalten zurück! Und ich hatte jetzt einen Vater, der mich abholt, mit nach Hause nimmt.
Mein Zuhause ist von Oma nicht weit entfernt. Wir wohnen direkt nebenan. Mutter wartet schon auf uns. Sie überrascht uns mit einem frisch gekochten Grießbrei. Der kleine Schuss Himbeersirup macht das Abendessen zum Festessen! Zumindest für mich. Vater hingegen träumt laut von einem knusprig fetten Schweinebraten mit dampfenden Kartoffelknödeln.

„Träum weiter!“ meint Mutter lachend und tröstet ihn mit einem kleinen Nachschlag des mir so vorzüglich schmeckenden Grießbreis! Auf die Beigabe des Himbeersirups verzichtet er. Zu meinen Gunsten, was ich ganz prima finde! Nur in den Genuss der süßen Beigabe komme ich heute nicht mehr! Mit dem Hinweis „Morgen ist auch noch ein Tag!“ verschließt Mutter die Sirup-Flasche und stellt diese zurück in die Speisekammer, in der, obwohl relativ klein, gähnende Leere herrscht!
Trotz der eisigen Kälte, die in diesen Wintertagen in meiner kleinen Stube herrscht, freue ich mich auf das Zubettgehen. Mutter hat für das „Hineinkuscheln“ vorgesorgt. Eine mehrfach gelötete Bettflasche hat gute Vorarbeit geleistet und macht das Unter-die-Decke-Kuscheln nicht nur erträglich, sondern irgendwie wohlig-lustig! Zumal ein letzter Blick durch die mit Eisblümchen bemalte Fensterscheibe Freude auf den nächsten Tag aufkommen lässt: Es schneit!

Und wie es geschneit hat! Ein sich vor unserem Haus im Einsatz befindender Schneeschieber öffnet mir nicht nur in aller Herrgottsfrüh meine Augen, nein das Schiebegeräusch macht mich gleich putzmunter wach! Noch vor dem Frühstück geht es hinaus. Frau Zeyher, unsere Vermieterin, und mein Opa sind zu meiner tiefen Enttäuschung damit beschäftigt, den Schnee in den durch unser Viertel fließenden Lindenbach zu schippen! Meiner Bitte, die wunderschöne Wintergabe doch da liegen zu lassen, wo sie in der Nacht hingefallen war, kommen die beiden nicht nach! Schade! Doch pflichtbewusst muss ja das gemacht werden, was pflichtgemäß gemacht werden muss! Beim anschließenden morgendlichen Gang auf das gewisse Örtchen wusste ich die fürsorgliche Schneeräumung schon zu schätzen! Das separate Häuschen hatte man in den hintersten Teil des Hofes platziert! Wasserspülung, Heizung, und ‘ne dreifach-flauschige-1000-Blatt-Rolle rechts oder links vom Thron: Fehlanzeige! Kurz der Aufenthalt und stets robust-unangenehm das, was nach dem Geschäft folgte!

Dem wunderschönen Wintertag mit lustigen Schneeballschlachten, anspruchslosen Rodelpartien in der nicht geraden steil abfallenden Kettenbornstraße und kunstvollem Schneemannbau am Umrandungsmäuerchen unseres Lindenbachs folgte am Spätnachmittag das gemütliche Treffen in Omas Küche! Heute mit glühender Herdplatte, einem heißen, uns alle wärmenden Pfefferminztee und einer Neuigkeit, die Frau Hagner aufgeregt mit glühenden Augen verbreiten konnte.
Heute hat sie bei einem zufällig mit Änne Dietz im Ort geführten Gespräch erfahren, dass man in Schierstein einen Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt gründen wolle!

„Schon bald soll es soweit sein“, verkündet Frau Hagner, und fügt bestimmend hinzu: „da machen wir alle mit!“

An diesem Abend treten die persönlichen Sorgen in den Hintergrund. Für meine Oma ist die ihre Söhne Hans und Karl betreffende Frage nach dem „Warum?“ für einen Abend lang nicht die quälende Frage! Die Frauenrunde weiß, dass es weitergehen muss, dass Not und Elend bekämpft und der Blick, trotz aller Widrigkeiten, nach vorne gerichtet werden muss!

Es wird ein langer Winterabend und Oma muss noch einige Male zum Schürhaken greifen, um das Feuer im Küchenherd am Glimmen zu halten. Die Nachricht vom eigenen AW-Ortsverein in Schierstein hatte die Frauen positiv gestimmt und stimuliert, erste Pläne für Hilfsaktionen im Ort zu schmieden. 

(Aufsatz von Hans Groth aus dem Jahre 1996 nach Erzählungen seiner Schwester Hildegard Buhl)

 
Die im Februar in der "Frauenrunde" von Frau Hagner verkündete "Botschaft", man wolle in Schierstein einen eigenen Ortsverein gründen, wurde bereits wenige Wochen später Wirklichkeit!

Am 24. April 1946 findet im Lokal "Zum Rebenstock" die Gründungsversammlung der Arbeiterwohlfahrt Schierstein statt! Die anwesenden Mitglieder wählten Herrn Wilhelm Dodenhoff zum 1. Vorsitzenden des Ortsvereins (Distrikt). Der 1. Vorsitzende war nicht auf sich alleine gestellt. Der Kreis der aktiven "AW'ler" war relativ groß. In Gesprächen mit Zeitgenossen fallen Name wie Änne und Emil Dietz, Maria Hagner, Elisabeth Krekel, Frieda Groth, Christine Kirch, Minna Stackfleth und Minna Steinmacher.

Ihnen wollen wir an dieser Stelle stellvertretend für alle aktiven Helferinnen und Helfer der ersten Stunde namentlich Dank sagen!

Ein Foto aus alten AWO-Tagen:



 

 

Schiersteiner AWO-Frauen von links nach rechts:
Elisabeth Krekel, Frieda Groth, Änne Dietz und Christine Kirch


 

 

 



Foto vom 11. Mai 1996: Ehrungen anlässlich des 50-jährigen Vereinsjubiläums in der Aula der Erich-Kästner-Schule:

Für 50-jährige Mitgliedschaft wurden an diesem Tag geehrt:
Karl Pracht (obere Reihe ganz rechts), Emil Schaman (obere Reihe vierter von rechts), Fritz Schmidt (obere Reihe zweiter von rechts), Minni Steinmacher (untere Reihe ganz rechts), Josef Zender obere Reihe dritter von rechts) sowie Paula Vohs (nicht auf dem Foto, da erkrankt).

 

 

Wilhelm Dodenhoff führte den Ortsverein bis zum Jahre 1950.
Seine Nachfolger zwischen 1950 bis 1959 waren Max Gürtler, Karl Pracht und Heinrich Autor.

Danach folgten:


Änne Dietz 1959 - 1974  - Karl Müller  1974 - 1975  - Maria Rosellen 1975 - 1983 -  Hans Groth seit dem 10.03.1983